Bericht über die 4. Pilgeretappe von Lorch nach Urbach

Am Sonntag, 14.07.2019 fand die vierte Pilgeretappe von Lorch nach Urbach statt. Ein Bericht von Jürgen Hieber in Wort und Bild dazu.

Bei strahlendem Sonnenschein reisten die Pilger*innen an aus Stuttgart, Göppingen, Reichenbach, den Fildern, dem Oatalbkreis, dem mittleren und unteren Remstal zum Gottesdienst um 9.30Uhr in der Lorcher Stadtkirche. Ein erstes Kennenlernen gab es z.T. schon vor dem Gottesdienst auf dem mit wunderschön blühenden Blühstreifen versehenen Kirchplatz.

Nach dem Gottesdienst, in dem wir neben Tauffamilien als Pilgergruppe besonders begrüßt und im Fürbittgebet bedacht wurden, trafen wir (43 Erwachsene, 1 Kind, 2 Hunde) uns bei leicht bedecktem Himmel vor dem Gemeindehaus, wo wir nach der offizielle Begrüßung und einem Impuls zum achtsamen Wahrnehmen gut gelaunt unsere Tour starteten.

Zunächst ging es ein kurzes Stück durch die Lorcher Innenstadt, dann durch die Unterführung unter der Hauptstraße in nördlicher Richtung aus der Stadt hinaus auf einem schattig-lauschigen Fußgängerweg entlang des Götzenbachs. Unser Weg führte uns dann bergauf über einen schmalen Wurzelpfad, wo wir hintereinander gehen mussten. Die Wurzeln und die Topographie waren Anlass zu unserem ersten Impuls, uns im Schweigen mit unseren eigenen Wurzeln zu beschäftigen. Mit gemeinsamem Singen von "Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum..." beendeten wir unser Schweigen.

Angekommen auf der Waldeshöhe trafen wir auf Spuren der Römer, die Ruine eines römischen Wachturms und den Limes. Hier gab es den zweiten Impuls unter der Fragestellung: welche Spuren hinterlasse ich?

Jetzt ging es ein gutes Stück geradeaus durch den Wald direkt auf dem Limes ehe wir hinab ins Aimersbacher Tal stiegen und es danach wieder bergauf ging. Auf halber Höhe machten wir bei einem Brunnen Halt, hörten Worte von Bernhard von  Clairveaux  "Schale sein" und beschäftigten uns dann in der Stille mit den Fragen: wo sind meine Quellen? - Wo bin ich Schale?

In der Zwischenzeit hatte sich der Himmel zugezogen, und eine dicke Regenwolke über uns ließ schon die ersten Tropfen fallen. Der Regen wurde allmählich stärker, so dass jeder seinen Regenschutz auspackte, und Schirme in bunten Farben wogten. Weil die Gruppe etwas auseinander gezogen war und auch der Regen an Intensität zunahm, suchten wir auf der Höhe am Waldesrand unter großen Bäumen Schutz und warteten. Den Hohenstaufen konnte man trotz Regen noch gut erkennen, die weiter entfernt gelegenen Berge der Ostalb (Rechberg, Bernhardus) konnte man nur noch undeutlich, durch Regenwolken verhangen, ausmachen. Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass wir unsere auf einer Waldwiese vorgesehene Mittagsrast im Walkersbacher Tal nicht machen können, da es schon heftig regnete und die Wolke sich leider nicht, wie gehofft, als lokale Regenwolke entpuppte, sondern als eine große Starkregenwolke. Nichtsdestotrotz pilgerten wir alle tapfer weiter ein Stück an der Walkersbacher Straße entlang und entdeckten unterwegs einen ganz liebevoll, mit alten Sandsteinmäuerchen gestaltetet Bauerngarten. Unser Ziel war jetzt Mittagsrast im Trockenen in der Weitmarser Kirche. Das bedeutete, dass wir noch einen recht steilen Anstieg vom Walkersbacher Tal hinauf nach Weitmars zu bewältigen hatten, und das unter erschwerten Bedingungen. In der Zwischenzeit schüttete es nämlich wie aus Kübeln. Auf halber Höhe lag ein Bauernhof, und unsere Ersten suchten dort Schutz unter einem Dachvorsprung. Der Besitzer sah wohl die Not und öffnete großzügig sein Garagentor, so dass wir alle dicht an dicht darin Platz fanden. So gab uns der Bauer im wahrsten Sinn des Wortes Herberge, ohne die wir wohl bis auf die Haut durchnäßt worden wären. Dankbar für das trockene Plätzchen verschnauften wir, einige stärkten sich vor der letzten Bergetappe mit Vesper. Erstaunlicherweise war die Stimmung trotz des Regens sehr gut, und etliche der Teilnehmer wiesen auf das Positive unserer momentanen Situation hin. Pilgern heißt unterwegssein, Erfahrungen zu sammeln, eine Reise zu sich selbst machen. Wie reagiere ich auf  Ungeplantes? Akzeptiere ich und versuche das Beste daraus machen oder jammere und klage ich? Gelingt es mir, den Blick auf das Positive lenken. Und damit waren wir voll bei dem Thema unseres Pilgertages "Blickwechsel" ! :) Mit Humor und Dankbarkeit begegneten wir in der Gruppe der Situation und warteten geduldig bis der Regen nachließ. Jürgen hielt, wie einst Noah, Ausschau nach den Wolken, um zu sehen, wann er Zeichen zum Verlassen der "Arche" geben könnte.

Endlich war es so weit, und die letzten Meter zur Weitmarser Kirche konnten wir ohne Schirm zurücklegen. Froh, in der Kirche und in einem kleinen Nebenraum sitzen und die Regenjacken ausziehen zu können, packten alle ihr Vesper aus und stärkten sich. Hier konnten wir auch unsere Wasservorräte auffüllen.

Da die Wetterprognosen weiter schwere Gewitter im Remstal ankündigten, und wir eigentlich durch den Wald über Plüderhausen, mit weitem Blick über das Remstal, nach Urbach pilgern wollten, entschieden wir uns, von Weitmars nach Waldhausen abzusteigen und von dort mit dem Zug nach Urbach zu fahren. Die Touränderung wurde ohne Murren aufgenommen. Nach einem Impuls in der Weitmarser Kirche zu "Offene Tür" und gemeinsamem Psalmgebet machten wir uns auf den Weg ins Tal, noch einmal mit der Möglichkeit einen schönen Blick remstalaufwärts nach Lorch zu richten. In Waldhausen am Bahnhof fuhr dann der Großteil mit der Bahn remstalabwärts nach Urbach, 10 Personen entschieden sich zu Fuß nach Lorch zu gehen, um ihre dort parkenden Autos zu holen.

Gegen 16.00 Uhr kamen wir dann wohlbehalten und etwas müde in der Friedenkirche an, wo uns gleich beim Eintreten frischer Kaffeeduft umwehte. Leider sind von den 10 aus Lorch nur noch 5 nach Urbach gekommen. Schön gedeckte Tische und leckere Kuchen erfeuten uns alle und weckten die Lebensgeister. Es war eine richtige fröhliche, harmonische Atmosphäre und gute Gemeinschaft. Die Unbill des Wetters haben der Gruppe keinen Abbruch getan, vielmehr unsere Gemeinschaft gestärkt. Die Pilger*innen waren so erfreut über die gute Versorgung, dass sie sich nicht abhalten ließen, den  beiden "Kaffeefeen" Geld zu übergeben, was die beiden dann großzügig als Spende an den Förderverein der evangelischen Jugendarbeit weiter leiteten. Nach der stärkenden Kaffeerunde versammelten wir uns zum Abschluss im Kirchenraum. Mit Erklärung zur dortigen Friedenssäule, einem Impuls, gemeinsamem Lied und Abschlusssegen